Harninkontinenz

Was ist die Ursache für Harninkontinenz?

Harninkontinenz auch Blasenschwäche genannt ist keine Krankheit sondern ein Symptom. Das Auftreten einer Harninkontinenz kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Körperliche und funktionelle Veränderungen, psychische Einschränkungen sowie Einflüsse durch Medikamenteneinnahme spielen eine Rolle. Auch Beckenbodenschwäche, Verstopfungen, Harnwegsinfekte und Immobilität unterstützen die Erkrankung.

Wann tritt sie auf?

Etwa 9 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen an Inkontinenz. Die Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich deutlich höher. Überwiegend sind ältere Menschen betroffen, wobei Inkontinenz grundsätzlich in allen Lebensphasen auftritt. Frauen sind fünfmal häufiger betroffen als Männer und jede dritte Frau über dem 50. Lebensjahr weist Probleme in diesem Bereich auf.

Welche Formen der Blasenschwäche gibt es?

1. Harndranginkontinenz
Rasch auftretender und starker Harndrang, der keine Zeit für den Gang zur Toilette lässt und zu unkontrolliertem Harnverlust führt. Ursache sind ungehemmte Kontraktionen des Muskels, der für die Leerung der Harnblase verantwortlich ist.

2. Stress- bzw. Belastungsinkontinenz
Mechanische Belastungen (z.B. Husten, Niesen, schweres Heben) erhöhen den Druck im inneren des Bauchraumes und führen zu unkontrolliertem Harnverlust.

3. Mischinkontinenz
Sie umfasst die charakteristischen Symptome beider vorhergenannten Inkontinenzformen.

4. Überlaufinkontinenz
Ein schwacher Blasenmuskel oder ein Hindernis am Blasenausgang (z.B. Karzinom) verhindern die vollständige Entleerung der Blase. Sie füllt sich so sehr, dass sie unkontrolliert überläuft.

5. Reflexinkontinenz
Dabei leert sich die Blase „reflexartig“ und unkontrolliert. Diese Form tritt auf, wenn alle Nervenbahnen im Rücken völlig unterbrochen sind (z.B. nach Querschnittslähmung).

Was kann ich selbst tun?

Auf jeden Fall sollten Sie das offene Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Inkontinenz ist nichts, wofür man sich schämen muss und sie kann behandelt werden. Doch die verschiedenen Ursachen, die die Inkontinenz haben kann, bedürfen individueller Behandlungen. Je nach Schwere, Ursache und persönlicher Einschränkung kommen physikalische Therapien, medikamentöse oder operative Behandlungsmethoden in Frage, welche Sie am besten mit Ihrem Arzt besprechen.

Das Gespräch mit dem Arzt ist zudem wichtig, da er Ihnen ein Rezept für aufsaugende Inkontinenzmittel (Vorlagen) ausstellen kann. Sie müssen diese Artikel nicht privat bezahlen, die Krankenkasse kommt dafür auf.

Des Weiteren gibt es eine Reihe an pflegerischen Maßnahmen und körperlichen Trainings, zu denen ein Pflegedienst Sie gerne beraten wird. Sie werden im Folgenden vorgestellt.

Trinkverhalten

Auch wenn eine Inkontinenz unangenehm ist, sollten Sie ihr nicht entgegenwirken, indem Sie weniger Flüssigkeit trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2L täglich ist besonders bei einer Inkontinenz wichtig, um Harnwegsinfekte zu vermeiden.

Hautpflege

Bei bestehender Harninkontinenz ist auf eine sehr gute Hautpflege im Intimbereich zu achten, damit es nicht zu Hautentzündungen oder Pilzinfektionen kommt. Ziel aller Maßnahmen ist, den physiologischen Hautzustand zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Halten Sie die Haut im Intimbereich möglichst trocken, indem Sie feuchte Vorlagen umgehend auswechseln. Zum Reinigen der Haut können Sie einen Esslöffel Essig oder Zitronensaft in das Waschwasser geben, dies erhält den Säureschutzmantel.

Vollständige Blasenentleerung

Eine nicht vollständig entleerte Blase kann eine Blasenentzündung begünstigen, deshalb sollten Sie sich Zeit nehmen, eine vollständige Blasenentleerung zu gewährleisten.

Folgende Tricks können helfen:

  • Auf der Toilette sitzend mit dem Becken vor- und zurückschaukeln
  • Oberkörper aufrichten und dabei die Arme in die Luft strecken
  • Von der Toilette aufstehen und sich wieder setzen

Beckenbodentraining für zu Hause

Was ist eigentlich der Beckenboden?

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die das nach unten offene Becken durch mehrere Muskelschichten verschließt. Diese Muskelplatte reicht vom Schambein bis zum Steißbein und wird von Harnröhre und Darm (bei den Frauen zusätzlich die Scheide) durchbrochen und vom Harnröhren- und Afterschließmuskel verschlossen.

Ein starker Beckenboden ist wichtig, um die Blase bei ihrer Funktion als Sammelbehälter zu unterstützen. Der Beckenboden lässt sich genauso trainieren wie etwa die Muskeln unserer Arme oder Beine. Daher hilft regelmäßiges Beckenbodentraining, den Beckenboden zu stärken und Inkontinenzerscheinungen zu verhindern oder zu mindern.

Anspannungsübungen:

Übung 1:
Ziehen Sie den Harnröhrenschließmuskel (HS) für etwa drei Sekunden mit aller Kraft zusammen.

Übung 2:
Ziehen Sie den HS im Wechsel zusammen und lassen Sie ihn wieder locker, so dass ein Pulsieren des Muskels entsteht.

Übung 3:
Stellen Sie sich vor, Sie säßen in einer mit Wasser gefüllten Wanne und Sie spannen den Beckenboden kraftvoll für etwa drei Sekunden an, so als würden Sie das Wasser in den Unterleib einsaugen wollen. Danach wieder entspannen… und wiederholen (saugende Anspannungsübung).

Übung 4:
Stellen Sie sich vor, Sie möchten das eingesaugte Wasser aus Übung 3 herauspressen (pressende Anspannungsübung).

Die Treppen-Übung

Bei der Treppen-Übung macht man sich die Fähigkeit der Beckenbodenmuskulatur zur stufenweisen Anspannung zunutze.

Stellen Sie sich eine Treppe vor, auf der Sie vier Stufen hochgehen. Auf jeder Stufe spannen Sie den HS etwas intensiver an:

1.STUFE: leichtes Anspannungsgefühl (25%)
2.STUFE: Harnröhre ist verschlossen (50%) wichtigste Spannungsstufe im Alltag
3.STUFE: feste Spannung (75%)
4.STUFE: maximale Spannung (100%)

Nun können Sie die Treppenübung aufwärts und abwärts trainieren:

1 – 2 – 3 – 4 – 3 – 2 – 1  oder
4 – 3 – 2 – 1 – 2 – 3 – 4

oder auch durcheinander:

1 -4 – 1 – 3 – 1 – 2 – 1 – 4

Übungs-Routine ist dabei das A und O!

weitere Beckenbodenübungen:

Versuchen Sie, die folgenden Übungen mehrmals die Woche für insgesamt etwa 10-15 Minuten durchzuführen. Die Spannungsphase sollten Sie dabei nach Möglichkeit 5-15 Sekunden halten und dann abwechselnd mit der Entspannungsphase 2-5 mal wiederholen.

Bodenrücken

  • Sie liegen auf dem Rücken und Ihre Beine sind hüftbreit angewinkelt.
  • Atmen Sie ein. Ihr Bauch wölbt sich vor, Ihr Rücken geht ins Hohlkreuz und der Beckenboden entspannt.
Beckenbodentraining Bodendrücken einatmen
  • Atmen Sie aus. Ihr Bauch wird flach, der Rücken (das Kreuz) drückt fest in den Boden, der Becken boden spannt an. Bauch und Gesäßmuskulatur sind völlig entspannt. Halten Sie diese Position einige Sekunden.
Beckenbodentraining Bodendrücken ausatmen

Halbe Brücke

  • Sie liegen und atmen ein wie beim Boden-Drücken.
Beckenbodentraining einatmen
  • Beim Ausatmen wird Ihr Bauch flach, Ihr Beckenboden spannt an und Sie heben gleichzeitig Ihr Becken vom Boden ab.
Beckenbodentraining Brücke ausatmen
  • Mit der nächsten Einatmung legen Sie Ihr Becken wieder ab.
  • Atmen Sie ein. Ihr Bauch wölbt sich vor, Ihr Rücken geht ins Hohlkreuz und der Beckenboden entspannt.
Kontinenztraining Katzenbuckel
  • Atmen Sie aus. Ihr Bauch wird flach, der Rücke macht einen Katzenbuckel, der Beckenboden spannt an. Halten Sie diese Position einige Sekuden und wiederholen dann die Übungen.
Kontinenztraining ausatmen

Rolle umschließen

  • Setzen Sie sich aufrecht mit leicht gespreizten Beinen auf ein zusammengerolltes Handtuch auf einen festen und geraden Stuhl.
  • Atmen Sie ein, der Damm hebt sich und die Sitzknochen nähern sich an, als würden Sie die Handtuchrolle umschließen.
Kontinenztraining Rolle umschließen
  • Atmen Sie aus, die Sitzknochen entfernen sich voneinander und der Damm ruht auf der Handtuchrolle.

Katzenbuckel

Knien Sie sich im Viefüßlerstand hin. Die Hände sind hüftbreit auseinander unterhalb der Schultern aufgestützt. Die Knie sind geschlossen und die Fußrücken liegen auf dem Boden auf.

Inkontinenzhilfsmittel – Was zahlt die Kasse?

Einer betroffenen Person fällt es häufig schwer zum Arzt zu gehen und die eigene Inkontinenz zu thematisieren. Ist dieser Schritt erst einmal getan, sollte bestenfalls noch im selben Termin über die notwendigen Hilfsmittel gesprochen werden. Bekanntlich werden diese nur ungerne verschrieben, da viele Ärzte nicht darüber aufgeklärt sind, dass die Kosten für Inkontinenzhilfsmittel nach § 84 SGB V nicht von ihnen sondern in den meisten Fällen von der Kasse übernommen werden.

Die Erstattung von ableitenden Hilfsmitteln bereitet im Gegensatz zu der von saugenden Hilfsmitteln seltener Probleme, da die Pauschalen deutlich höher sind und die Kassen mit fast allen Produzenten direkte Verträge abgeschlossen haben. Aus diesem Grund werden wir uns im Folgenden auf die Kostenerstattung von saugenden Inkontinenzhilfsmitteln konzentrieren.

Weil nicht alle Hilfsmittel vom Patienten akzeptiert werden müssen, ist es wichtig, dass er sich zunächst gut über die verschiedenen Produkte informiert und sie testet, bevor er sich ein Rezept ausstellen lässt. Empfehlenswert sind dabei Dauerrezepte, die ein halbes oder ganzes Jahr abdecken, sodass der Arzt nicht so häufig aufgesucht werden muss.

Um zu verdeutlichen, wann Inkontinenzprodukte verordnet werden können, wurden drei verschiedene Fallgruppen kategorisiert. Diese drei unterscheiden sich in erster Linie in der Begründung für die Verschreibung der Hilfsmittel.

Die Fallgruppe 1 umfasst alle Inkontinenzhilfsmittel, die es der betroffenen Person ermöglichen, ohne Beschwerden/Probleme am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das heißt, sie können sorglos Freunde besuchen oder den Einkauf erledigen.

Bei der Fallgruppe 2 werden Inkontinenzhilfsmittel im Zusammenhang mit der Behandlung einer Krankheit eingesetzt. So können z.B. Hilfsmittel verordnet werden, wenn ein Patient diese nach einer Prostata-Entfernung benötigt.

Die Fallgruppe 3 schließt Inkontinenzhilfsmittel ein, die zur Prävention von neuen Krankheiten bei schweren Funktionsstörungen beitragen. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn der Arzt einem Demenzerkrankten Inkontinenzprodukte verschreibt, um Hautkrankheiten rechtzeitig vorzubeugen.

Mit bestimmten Begründungen kann auch spezielle Inkontinenz Bade- und Therapiebekleidung bezuschusst werden. Wird die spezielle Kleidung beispielsweise bei einer Übungsbehandlung im Wasser oder zur Krankengymnastik im Bewegungsbad eingesetzt, können die Kosten teilweise übernommen werden. Die Höhe des Zuschusses hängt von der jeweiligen Kasse ab, in der Regel liegt er aber bei 50-80% der Kosten. Nichtsdestotrotz gibt es auch Krankenkassen, die für die Bade-und Therapiebekleidung gar keinen Zuschuss gewähren.

Neben den normalen Netz- oder Windelhosen gibt es noch andere Modelle wie Pants, Pullons oder Trainers. Diese werden von den Kassen oft nicht übernommen, da sie als höherwertige Wunschversorgung betrachtet werden. Das gilt aber beispielsweise nicht, wenn der Patient aufgrund von einer eingeschränkten Handmotorik ausschließlich Pants und keine anderen Produkte selbstständig wechseln kann. In dem Fall werden die Pants als Regel- und nicht als Wunschversorgung eingestuft, sodass die Kosten von der Kasse übernommen werden.

Blasenkatheter

Ein Blasenkatheter ist ein Kunststoff schlauch (meist aus Silikon oder Latex), der über die Harnröhre oder über die Bauchdecke in die Blase gelegt wird, um den Urin abfl ießen zu lassen. In der Regel wir der Blasenkatheter zur Diagnosestellung oder als Therapie z. B. bei Blasenerkrankungen eingesetzt.

Indikation

Zur Diagnosestellung wird ein Blasenkatheter zeitlich begrenzt genutzt, um z. B. Menge, Farbe und Konzentration des Urins zu messen und zu beurteilen und gegebenenfalls Rückschlüsse auf Nierenerkrankungen zu ziehen. Er wird außerdem verwendet, um eine Restharnkontrolle durchzuführen, also
eine Messung, wie viel Urin nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Auch das Einbringen von Kontrastmitteln zum Erstellen von Röntgenaufnahmen der Blase ist über einen (2-Wege-)Katheter möglich. Weitere Beispiele für die zeitlich begrenzte Anlage eines Blasenkatheters zur Diagnosestellung sind die Harnblasenfunktionsuntersuchung (Urodynamik) und die Messung der Harnröhrenweite (Harnröhrenkalibrierung).

Zur Therapie wird ein Katheter eingesetzt, um Medikamente in die Blase einzubringen oder um die Blase zu spülen. Außerdem ist das Legen eines Katheters bei akutem Harnverhalt, nach urologischen Operationen oder nach mehrstündigen Operationen mit hohem Flüssigkeitsumsatz indiziert. Die Notwendigkeit
der Bilanzierung bei schwer kranken Patienten oder der Wunsch des Patienten in der palliativen Therapie kann die Verwendung eines Blasenkatheters ebenfalls begründen. In seltenen Fällen wird ein Blasenkatheter zur Behandlung einer Harninkontinenz eingesetzt, wobei dies das letzte Mittel sein sollte, da ein Blasenkatheter ein großes Infektionsrisiko birgt. Die Versorgung mit Inkontinenzmaterialien sollte vorgezogen werden. Leiden Betroff ene an einer teilweisen oder kompletten Blasenentleerungsstörung, ist der Einsatz eines dauerhaften Blasenkatheters unvermeidbar.

Was sind die Ursachen einer Blasenentleerungsstörung

Eine mechanische Ursache liegt vor, wenn es in den ableitenden Harnwegen ein „Hindernis“ gibt, sodass der Harn nicht ungehindert abfl ießen kann. Dies können z. B. Blasensteine oder ein Prostatakarzinom sein. Um eine neurogene Ursache handelt es sich, wenn die Nervenversorgung der Harnblase gestört ist. Dies kann z. B. bei einer Querschnittslähmung der Fall sein; in der Regel liegt eine Rückenmarksschädigung vor. Psychogene Ursachen treten in vielfältiger Form auf und erfordern eine entsprechende Diagnostik. Bei den Betroff enen kann es z. B. zu einer Verhaltensstörung gekommen sein
oder zum falschen Erlernen des Harnlassens. Auch beim Aufmerksamkeitsdefi zit- und Hyperaktivitätssyndrom
(ADHS) und bei Wahrnehmungsstörungen können Blasenentleerungsstörungen
auftreten.

Welche Arten von Katheter gibt es?

Der transurethrale Blasenkatheter wird durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Es kann sich dabei um einen Einmal- oder einen Dauerkatheter
handeln.

Anatomische Darstellung eines Blasenkatheters

Der Einmalkatheter hat meist nur einen Kanal und dient lediglich zum Ablassen von Urin. Der Dauerkatheter verfügt über einen an der Spitze befestigten Ballon, der mit Wasser gefüllt wird und durch den der Katheter sicher den Blasenausgang verschließt. Hier wird in der Regel ein 2-Wege-Katheter verwendet, bei dem durch den einen Kanal der Harn abfließen kann, während der zweite Kanal dazu  dient, den Ballon zu füllen.

Urinbeutel für einen Blasenkatheter

Blasenkatheter mit 3 Kanälen können auch für Operationen an den Harnwegen oder bei starken Blutungen zum Einsatz kommen. Über den dritten Kanal wird dabei die Blase oder das OP-Gebiet gespült. Der suprapubische Blasenkatheter wird nicht durch die natürliche Öff nung des Harnleiters gelegt, sondern chirurgisch durch einen Einstich in die Bauchdecke eingebracht. Dies ist die bevorzugte Lösung zur Schonung der Harnröhre bei längerfristig Katheterisierten. Dieser Blasenkatheter wird mit einem Ballon oder einer Naht an der Bauchdecke fixiert. Infektionsrisiko Blasenkatheter bergen immer das Risiko einer Infektion (katheterassoziierte Harnwegsinfektion). Daher sollte grundsätzlich eine strenge, medizinisch begründete Indikationsstellung und die Beschränkung der Liegedauer des Katheters auf das medizinisch notwendige Minimum erfolgen. Fortgeschrittenes Lebensalter (über 50 Jahre), weibliches Geschlecht und eingeschränkte Immunität sind ebenso wie Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz Risikofaktoren für das Entstehen einer Infektion. Die Nichtbeachtung von Hygieneregeln bei der Katheterisierung und bei der Katheterpflege sowie das Trennen des Katheters vom Ableitungssystem erhöhen das Risiko für die Entstehung einer Harnwegsinfektion.

Wie pflegt man einen Blasenkatheter?

Pflege eines transurethralen Blasenkatheters

Die Reinigung des Genitals sowie des Katheters sollte mit Wasser und Seifenlotion (ohne Zusatz antiseptischer Substanzen) im Rahmen der normalen täglichen Körperpflege erfolgen. Das aus dem Körper herausragende Katheterstück wird hierbei vorsichtig vom Körper weg in Richtung Urinauffangbeutel mit einem Waschlappen abgewischt. Wichtig ist dabei, nicht am Katheter zu ziehen, da der Katheter durch einen Ballon in der Blase geblockt wird und Schmerzen oder gar Verletzungen entstehen können.

Pflege eines suprapubischen Blasenkatheters

Die Pflege erfolgt in der Regel durch Pflegefachkräfte, da es sich hierbei um einen Verbandswechsel handelt.

Tipps zum Umgang mit Blasenkathetern

  • Vor und nach jeder Manipulation am Blasenverweilkatheter oder am Ableitungssystem ist eine hygienische Händedesinfektion
    vorzunehmen.
  • Durchhängende Schlaufen des Ableitungssystems, in denen der Urin länger verbleibt, sollten vermieden werden.
  • Der Katheter und das Ableitungssystem sollten nicht abgeknickt werden.
  • Der Auff angbeutel sollte frei hängend ohne Bodenkontakt und stets unterhalb des Blasenniveaus angebracht werden.
  • Der Auff angbeutel sollte rechtzeitig entleert werden, bevor der Harn mit der Rückfl usssperre in Kontakt kommt.
  • Auch vor einem Transport oder einer Umlagerung der betroff enen Person (z. B. vom Stuhl ins Bett) sollte der Auffangbeutel entleert werden.
  • Beim Entleeren des Auff angbeutels ist darauf zu achten, dass der Ablassstutzen nicht mit dem Auff anggefäß in Kontakt kommt und dass das Nachtropfen von Urin an der Rückstecklasche vermieden wird.
  • Bei der Urinentleerung sollte immer auf Auff älligkeiten geachtet werden (z. B. Färbung des Urins, Blut im Urin). Dunkler Urin kann ein Indiz u. a. für zu wenig Flüssigkeitszufuhr bzw. zu hohen Flüssigkeitsverlust (z. B. bei Fieber) sein. In letzterem Fall sollte die betroffene Person mehr trinken.

Grundsätzlich sollten Katheter und Drainageschlauch nicht voneinander getrennt werden. Ausnahmen sind bestimmte urologische Indikationen oder der Wechsel eines Beinbeutels.

Tipp

Zum Durchspülen der Harnwege und zur Infektionsvermeidung ist auf eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 3 Litern pro Tag zu achten. Dem Saft von Moosbeeren und von Schwarzen Johannisbeeren wird eine
infektionshemmende Wirkung nachgesagt.

Katheterwechsel

Bei Infektion, Verstopfung oder Defekt des Katheters bzw. des Ableitungssystems sollte nach den individuellen Gegebenheiten und
nach ärztlicher Indikationsstellung ein Wechsel erfolgen.

Bei einem Wechsel des Blasenkatheters ist stets das gesamte Harnableitungssystem mit auszutauschen.

Die Einhaltung der Hygieneregeln ist beim Wechsel des Katheters bzw. des Ableitungssystems besonders wichtig. So ist neben der Händedesinfektion auch die Wisch- oder Sprühdesinfektion von Katheter und Konus des Schlauches unverzichtbar.

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