Grundsätzliches zur Körperpflege

Ist eine pflegebedürftige Person nicht mehr in der Lage, die Körperpflege selbstständig durchzuführen, ist es wichtig, dass sie entsprechend ihren verbliebenden Ressourcen Unterstützung erhält. Pflegekräfte oder pflegende Angehörige sollten die Körperpflege daher nicht von Anfang an vollständig übernehmen. Solange die pflegebedürftige Person noch die Fähigkeit besitzt, bei der Körperpflege mitzuwirken, sollte dies vielmehr gefördert und einbezogen werden. Ist z. B. aufgrund einer kognitiven Einschränkung (Demenz) der Ablauf der Körperpflege nicht mehr bekannt, sollte die pflegebedürftige Person Schritt für Schritt angeleitet werden, was sie tun soll. Dieses Vorgehen ist deutlich zeitintensiver, als die Körperpflege für die pflegebedürftige Person zu übernehmen, jedoch wird damit die verbliebende Selbstständigkeit erhalten und ihre Fähigkeiten werden gefördert.

Neben der Selbstständigkeit ist die Selbstbestimmung ein wichtiger Faktor, der bei der Körperpflege beachtet werden sollte. Das bedeutet, dass die pflegebedürftige Person selbst entscheiden darf, wann, wie oft und wie die Körperpflege erfolgen soll. Auch wenn Pflegende oft das Gefühl haben, die Körperpflege müsse jeden Morgen durchgeführt werden, so kann es doch sein, dass die pflegebedürftige Person lieber nur jeden dritten Tag und dann am Abend gewaschen werden möchte. Dies ist unproblematisch, denn eine tägliche Ganzköperwaschung ist in der Regel nicht nötig.

Zwar sollten Gesicht und Intimbereich täglich gereinigt und die Zähne geputzt werden, doch steht vor allen Häufigkeitsregeln das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung der pflegebedürftigen Person. Sollte die pflegebedürftige Person über einen längeren Zeitraum keine Körperpflege mehr wünschen und drohen daraus gesundheitliche Folgen, so ist es notwendig, die Gründe herauszufinden, um so Lösungen zu finden, damit die nötige Körperpflege erfolgen kann.

Des Weiteren ist zu bedenken, dass Körperpflege etwas sehr Intimes ist. Das Entkleiden oder Nackt-Sein vor Pflegekräften und auch vor den eigenen Angehörigen kann mit großem Schamgefühl verbunden sein. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass die pflegebedürftige Person bei der Körperpflege nicht völlig nackt am Waschbecken sitzt oder im Bett liegt. Lassen Sie, die Körperteile, die gerade nicht gewaschen werden, angekleidet oder bedecken Sie sie mit Handtüchern.

Vorbereitung

Schließen Sie offene Fenster und heizen Sie Badezimmer oder Zimmer 20 Minuten, bevor Sie die Körperpflege durchführen möchten. Informieren Sie sich, welche Hygieneartikel die pflegebedürftige Person wünscht und welche Wassertemperatur sie bevorzugt.

Legen Sie alle Utensilien bereit, die Sie benötigen:

  • Waschlappen,
  • Handtücher,
  • Waschlotion,
  • Hautcreme,
  • Kamm oder Bürste,
  • Handschuhe,
  • Schutzschürze,
  • ggf. Waschschüsseln

Waschen Sie sich selbst die Hände und ziehen Sie sich eine Schutzschürze an. Bei Haut- oder Pilzinfektionen sollten Handschuhe getragen werden, die vor der Intimpflege gegen ein neues Paar getauscht werden müssen.

Durchführung

Entkleiden Sie die pflegebedürftige Person. Belassen Sie die Kleidungsstücke an den Körperteilen, die Sie gerade nicht waschen, oder decken Sie diese Körperteile mit Handtüchern ab.

Am Waschbecken können Sie mit fließendem Wasser arbeiten, im Bett sollten zwei Waschschüsseln benutzt werden – eine mit Waschlotion und eine mit klarem Wasser, um die Waschrückstände entfernen zu können.

Beginnen Sie die Körperpflege immer mit dem Waschen und anschließendem Abtrocknen des Gesichtes, des Halses und der Ohren. Anschließend waschen und trocknen Sie Arme, Hände, Bauch und Rücken und danach Beine und Füße. Ziehen Sie Handschuhe an und waschen und trocknen Sie den Intimbereich. Anschließend ziehen Sie die Handschuhe aus. Achten Sie darauf, dass Stellen, an denen Haut auf Haut liegt, gut abgetrocknet sind, wie z. B. Bauchfalten, unter den Brüsten, in den Leisten, zwischen den Zehen und Fingern, hinter den Ohren und im Intimbereich. Cremen Sie anschließend die Haut ein und lassen Sie die Creme einige Minuten einziehen.

Kleiden Sie die pflegebedürftige Person wieder an.

Besondere Körperwaschungen

Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan, sie schützt uns vor Wärmeverlust und schädlichen Einflüssen. Gleichzeitig ist sie das „Tor“ für hilfreiche äußere Anwendungen die auf den ganzen Menschen wirken!

Wir stellen Ihnen hier besondere Formen oder Möglichkeiten der Körperpflege bei unterschiedlichen Beschwerden oder Bedürfnissen vor.

Schweißreduzierende Ganzkörperwaschung

Die Waschung mit Salbei

2-3 EL Salbeitee mit kochendem Wasser übergießen und 4 Min. ziehen lassen, dazu 4 Liter Wasser zugeben.

  • den Intimbereich aussparen
  • nur tupfen
  • nicht nachfetten, da es zu Wärmeisolation kommen kann

Fiebersenkende Ganzkörperwaschung:

Waschung mit Pfefferminz- oder Eukalyptusöl oder Pfefferminztee

Auf 1 Liter Wasser 4 Tropfen Öl mit 1 EL Milch oder einigen Tropfen Kondensmilch vermengen. Insbesondere eignen sich aufgrund der kühlenden Wirkung Pfefferminzöl und Eukalyptusöl.

Oder:

2-3 EL Pfefferminze mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 2-4 Minuten ziehen lassen.

  • Wassertemperatur nicht tiefer als 5 Grad unter der Körpertemperatur (Wärmeverlust zu hoch)
  • Intimbereich und Gesicht aussparen
  • nicht nachfetten
  • Waschung erfolgt schrittweise, d.h. erst ein Arm, ein Bein usw. Körperteil nicht abtrocknen, sondern nur mit einem Bettlaken zudecken
  • durch die Verdunstungskälte gibt der Körper Wärme ab und die Temperatur sinkt

Danach 30 Min. ruhen bevor die Temperatur erneut kontrolliert wird.

Erhalt und Förderung der Mundgesundheit

Mundgesundheit

Die tägliche Mund-, Zahn- und Zahnprothesenpflege ist wichtig, um Erkrankungen im Mundraum zu verhindern, aber auch, um die Allgemeingesundheit zu erhalten, denn Erkrankungen des Mundraums können Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.

Schmerzen beim Kauen oder Schlucken z.B. können dazu führen, dass die betroffene Person nicht mehr essen mag und es zu einer Mangelernährung kommt. Ebenso kann eine Parodontitis (entzündliche Zahnfleischerkrankung) die Herzerkrankungen begünstigen.

Es gibt wiederum auch Krankheiten, die sich auf die Mundgesundheit auswirken können und vornehmlich im Alter auftreten:

Diabetes mellitus –begünstigt Zahnfleischentzündungen

Demenz –eingeschränktes Verständnis für die Relevanz der Mundpflege

Parkinson –manuelle Einschränkung, die Mundhygiene durchzuführen

Einnahme spezieller Medikamente – Mundtrockenheit als mögliche Folge (z. B. bei Medikamenten zur Behandlung von Depressionen, Krebs oder Parkinson)

Eine gründliche Mundhygiene ist im Alter daher unerlässlich und sollte, wenn sie nicht mehr eigenständig durchgeführt werden kann (etwa im Falle einer Pflegebedürftigkeit), unbedingt durch Angehörige/Pflegende unterstützt oder übernommen werden.

Empfehlungen für die Erhaltung der Mundgesundheit:

Die Kautätigkeit sollte so lange wie möglich gefördert werden.

  • Brot erst dann entrinden, wenn die pflegebedürftige Person die Brotrinde nicht mehr kauen kann.
  • Kost erst dann pürieren, wenn das Kauen nicht mehr möglich ist.

Kontrollen beim Zahnarzt sowie professionelle Zahnreinigung sollten regelmäßig durchgeführt werden.

  • Die Zahnärztekammer Ihres Bundeslandes informiert über Zahnärzte und Zahnärztinnen, die Hausbesuche machen, falls die pflegebedürftige Person nicht in die Praxis kommen kann.

Eine gute Zahnreinigung besteht immer aus dem Reinigen

  • der Innenseiten,
  • der Außenseiten,
  • der Kauflächen und
  • der Zahnzwischenräume
  • sowie einer Inspektion der Mundhöhle.

Die Mund-, Zahn- und Zahnprothesenpflege sollte mindestens zweimal täglich durchgeführt werden.

Mundtrockenheit sollte vermieden ein guter Speichelfluss angestrebt werden.

  • Zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis sowie das Lutschen von Eiswürfeln oder gefrorenen Früchten regen den Speichelfluss an.
  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.

Wann sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden?

  • Schmerzen
  • verfärbte oder schmerzempfindliche Zähne
  • belegte Schleimhäute
  • Veränderungen der Zunge wie gelbliche Beläge, Krusten oder Borken, blutendes oder geschwollenes Zahnfleisch
  • Druckstellen
  • Probleme beim Schlucken oder Kauen, etwa durch eine schlechtsitzende Zahn- prothese
  • starker Mundgeruch
  • Geschmacksverlust

Die richtigen Produkte für die Mundpflege

Grundsätzlich sollte sich an den Wünschen und Vorlieben der pflegebedürftigen Person orientiert werden.

Unsere Empfehlung:

  • eine weiche Zahnbürste zu verwenden, um Verletzungen zu vermeiden,
  • die Zahnbürste alle 3 Monate gegen eine neue auszutauschen,
  • milde fluoridhaltige Zahncremes zu verwenden,
  • ein Zungenschaber zu nutzen, um auch Beläge auf der Zunge zu entfernen,
  • Zahnseide oder Zahnzwischenraum- bürsten zu verwenden, um die Zahnzwischenräume zu reinigen (für die Bürstchen gibt es extra Verlängerungsaufsätze, um besser im Mund hantieren zu können),
  • Oliven- oder Mandelöl mit Wasser verdünnt als Mundspülung zuzubereiten, um die Schleimhäute zu pflegen.

Unser Tipp für Sie:

Bei leichten Entzündungen Tees zur Mundspülung verwenden z.B. Ringelblume, Salbei oder Thymian

 

Zwischenraumzahnbürste

Zwischenraumzahnbuerste

Zungenschaber

Zungenschaber

Zahnpflege bei Pflegebdürftigen

Grundsätzlich sollte die selbstständige Mundpflege so lange wie möglich erhalten bleiben. Bei ersten Einschränkungen können Hilfsmittel wie spezielle Zahnbürsten angeboten oder die pflegebedürftige Person Schritt für Schritt in der Durchführung der Mundpflege angeleitet werden, bevor sie komplett übernommen wird.

TIPP:

Bei ersten motorischen Einschränkungen können spezielle Zahnbürsten helfen, die selbstständige Mundpflege weiterhin zu ermöglichen (mehrere Köpfe, verdickter Griff oder eine elektrische Zahnbürste).

Zahnbürste mit verdicktem Griff

Zahnbuerste mit verdicktem Griff

Dreikopf-Zahnbürste

Dreikopdbuerste

Wird die Zahnpflege übernommen, ist Folgendes zu beachten:

Informieren Sie die pflegebedürftige Person vorab darüber, was Sie tun wollen.

Legen Sie alle benötigten Utensilien bereit:

  • Zahnbürste,
  • Zahncreme,
  • Becher mit Wasser,
  • Schale zum Ausspülen und Ausspucken,
  • Handtuch,
  • Lippenpflege oder Vaseline

Wichtig ist, die aufrechte Sitzposition der pflegebedürftigen Person bei Durchführung der Körperpflege. Stellen Sie gegebenenfalls das Kopfteil des Bettes hoch. Legen Sie zusätzlich ein Handtuch um den Oberkörper der pflegebedürftigen Person. Waschen Sie sich die Hände und ziehen Sie Handschuhe an, denn Infektionen wie Mundsoor sind über die Hände übertragbar. Streichen Sie Vaseline oder Lippenpflege auf die Mundwinkel, um deren Aufreißen zu verhindern.

Mit einer Hand stützen Sie den Kopf der pflegebedürftigen Person, mit der anderen Hand putzen Sie die Zähne vom Zahnfleisch zum Zahn hin – in kleinen, kreisenden Bewegungen. Lassen Sie die pflegebedürftige Person anschließend gründlich ausspülen und ausspucken. Nutzen Sie Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnseide, um die Zwischenräume zu reinigen. Die Zunge lässt sich sehr gut mit einem sogenannten Zungenschaber reinigen. Lassen Sie die pflegebedürftige Person erneut gründlich ausspülen und ausspucken.

Inspizieren Sie die Mundhöhle auf Verletzungen, Beläge usw., am besten mit einer Taschenlampe. Sind keine Zähne mehr vorhanden, kann die Mundhöhle zusätzlich mit einem Tupfer und einer entzündungshemmenden Lösung oder einem Kräutertee gereinigt oder ausgewischt werden.

Waschen Sie sich nach der Mundpflege erneut die Hände.

Prothesenreinigung

Die Prothesenpflege ist ebenso wichtig wie die Pflege echter Zähne. An der Prothese können Bakterien haften bleiben, die zu Mundgeruch oder Erkrankungen führen können. Schlechtsitzende Prothesen können zu Schmerzen und dadurch zur Verweigerung der Nahrungsaufnahme führen. Benutzen können Sie:

 

Folgendes ist bei der Prothesenreinigung zu beachten:

Tragen Sie Einmalhandschuhe. Legen Sie vor der Reinigung der Prothese immer einen Waschlappen ins Waschbecken, um Beschädigungen im Fall eines Herunterfallens zu vermeiden. Spülen Sie die Prothese nach jeder Mahlzeit mit Wasser aus. Putzen Sie die Prothese zweimal täglich mit einer Prothesenbürste. Lassen Sie die pflegebedürftige Person vor dem Einsetzen der Prothese den Mund ausspülen. Prüfen Sie, ob die Prothese noch gut sitzt und ob es Druckstellen im Mund gibt. Wird die Prothese nachts nicht getragen, bewahren Sie sie in einem Becher Wasser auf. Wickeln Sie die Prothese nicht in Papiertücher ein, sie könnte sonst versehentlich weggeworfen werden.

Prothesenbürste

Prothesenbuerste

Sie fühlen sich noch unsicher bei der Durchführung der Zahnpflege Ihres Angehörigen? Kein Problem!

Die richtigen Handgriffe können Sie in einer Angehörigenschulung lernen. Sie ist für Sie kostenfrei, da Sie von der Pflegekasse finanziert wird. Auf Wunsch kann sie in Ihrer Häuslichkeit durch einen Pflegedienst Ihrer Wahl durchgeführt werden.

TIPP : Erklärvideos zur Zahnpflege

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) haben gemeinsam zehn Videos erstellt, in denen die wichtigsten Hinweise zur Mund- und Zahnpflege zusammengefasst sind.

Bildquellen:

Beitraagsbild © JanMika – stock.adobe.com

Mundinspektion ©Alexander Raths – stock.adobe.com