Was ist ein Ulcus cruris?

Das Wort Ulcus kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt Unterschenkelgeschwür, bei uns auch bekannt als offenes Bein. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Hautdefekt/Wunde am Bein aus, jedoch steckt viel mehr als eine dermatologische Erkrankung dahinter. Ein Ulcus cruris ist eine chronische Wunde, die durch Gefäßprobleme verursacht wird. Die Einteilung, Behandlung und Vorbeugung von Ulcus cruris hängt ab von den jeweiligen Gefäßen, die beeinträchtigt sind und es auslösen.

1. Ulcus cruris venosum – durch Störungen in den Venen
2. Ulcus cruris arteriosum – durch Störungen in den Arterien
3. Ulcus cruris mixtum – Mischform, durch venöse und arterielle Probleme

Als Ulcus cruris werden also alle Arten von Wunden durch Krankheiten der Blutgefäße an den Unterschenkeln bezeichnet. Der Begriff Ulcus cruris beschreibt somit lediglich ein Symptom (= Anzeichen) und keine Diagnose. Bei der Behandlung geht es daher vor allem auch
darum, die Grunderkrankung als Auslöser des Ulcus cruris zu bekämpfen.

offenes Bein

Was sind die Symptome eines Ulcus cruris venosum?

Sehr oft haben diese Patienten ein chronisches Krampfaderleiden oder eine durchlebte Thrombose. Auf erste Anzeichen einer Venenschwäche sollte geachtet werden, da sich daraus ein sichtbarer Ulcus cruris venosum entwickeln kann z.B.:

  • Schwere, müde Beine
  • Ödeme in den Beinen, die bei Nachtruhe geringer sind
  • nächtliches Wasserlassen

Weitere Anzeichen – die nicht alle und erst recht nicht alle gleichzeitig auftreten müssen – sind:

  • spürbare Verhärtung von Haut und Unterhautfettgewebe, was ein Zeichen für bleibende Schäden am Gewebe ist
  • im Anfangsstadium meist relativ flache Hautveränderung, wobei der Wundboden typischerweise „schmierig-eitrig“ (durch Bakterien) belegt ist
  • Schmerzen, besonders wenn das betroffene Bein ruhig gehalten wird
  • glänzende Haut
  • dünne Haut, wodurch diese leicht verletzbar ist
  • braun-gelbe Hautflecken in den betroffenen Bereichen (Hyperpigmentierung)
  • spinngewebsartige Gefäßzeichnung am inneren Fußrand sowie am Innenknöchel
  • weiße Stellen in dem Bereich, der später die Wunde darstellt (Atrophie blanche)

Am häufigsten findet es sich ein Ulcus cruris venosum im Bereich des Innenknöchels, manchmal am Außenknöchel. Es gibt auch eine zirkuläre Form, die dann den Unterschenkel umspannt (Gamaschenulcus).

Was sind die Ursachen für Ulcus cruris venosum?

Über die Venen wird unser Blut aus den Beinen zurück zum Herzen transportiert. Hierfür sind die Venen mit  Klappen ausgestattet, die helfen, das Blut entgegen der Schwerkraft zu transportieren und ein Absacken des Blutes zu verhindern. Ist die Funktion dieser Klappen gestört/geschwächt, kommt es zum Rückstau des Blutes und die Venen erweitern sich. Krampfadern, Venenentzündungen oder Thrombosen können die Folge sein. Der Blutrückstau erhöht den Druck in den Blutgefäßen. Es kommt zu Wasseransammlungen im Gewebe mit gleichzeitiger Minderversorgung mit Blut und Nährstoffen. Das Gewebe geht unter und die Haut bricht auf zu einem Ulcus cruris venosum.

Venenveraenderungen

Wie wird Ulcus cruris venosum diagnostiziert?

Der Arzt spricht beim Ulcus cruris venosum von einer Einteilung in sechs Grade oder vier Stadien, je höher die Zahl umso weiter ist die Erkrankung fortgeschritten. Um sicher festzustellen, ob ein Ulcus cruris venosum vorliegt, muss auf jeden Fall eine Diagnose betrieben werden. Dazu gehören eine Abklärung der Risikofaktoren, eine Abklärung von Vorerkrankungen und eine gezielte Anamnese.

Wenn ein Ulcus cruris venosum vorliegt, dann können unter anderem folgende diagnostische Maßnahmen durchgeführt werden:

  • genaue Beschreibung der Lokalisation des Ulcus cruris venosum
  • Bestimmung des Schmerzstatus (je tiefer das Ulcus ist, desto weniger Schmerzen sind vorhanden)
  • Tasten der Fußpulse an beiden Füßen
  • Bestimmung des Knöchel-Arm-Druck-Index oder ankle-brachial-pressure-Index (englische Bezeichnung)
  • Prüfung der Beweglichkeit des Sprunggelenkes
  • Messung des Unterschenkelumfanges
  • Kontrolle des Blutzuckerwertes
  • Messung der Ödem Bildung
  • Bestimmung der Sauerstoffsättigung
  • Wundabstrich

Weitergehende diagnostische Maßnahmen sind:

  • Beurteilung des Venensystems mittels Kontrastmittel (> Phlebographie)
  • Darstellung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der Magnetresonanzangiographie
  • Darstellung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der Computertomographieangiographie
  • Untersuchung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der digitalen Subtraktionsangiographie

Wie wird Ulcus cruris venosum behandelt?

Primär muss die auslösende Venenschwäche behandelt werden:

  • Kompressionstherapie (-Strümpfe oder -Verbände)
  • ggf. operative Maßnahmen (z.B. Venenentfernung)
  • Hochlagerung der Beine

Sowie die lokale Wundtherapie:

  • stadiengerechte Behandlung der Wunde
  • medikamentöse Therapie
  • Schmerztherapie

 

Wie kann man einem venösen Ulcus cruris vorbeugen?

Dadurch, dass lange bevor eine Durchblutungsstörung auftritt und später die erste Wunde am Unterschenkel sichtbar ist Vorbeugung betrieben werden kann, ist diese für jeden Menschen wichtig. Im Grundsatz sind wir Menschen nämlich schon alleine durch unseren aufrechten Gang gefährdet.

Frühe Anzeichen, dass ich etwas für meine Venen tun muss:

  • vorübergehende Schwellungen der Füße, Knöchel oder Unterschenkel
  • bläulich hervortretende Hautvenen am inneren oder äußeren Fußrand oder um die Knöchel herum
  • Besenreiser (= kleinste Venenveränderungen) an Unterschenkeln oder Knöcheln
  • immer wieder auftretende Schmerzen in den Waden

Wenn nun noch bekannt ist oder wird, dass im Verwandtenkreis Krampfadern oder ein Ulcus cruris auftritt, sollte einer weiteren Verschlimmerung der eigenen Beschwerden entgegengewirkt werden.

Vorbeugende Maßnahmen (um die Durchblutung der Venen zu verbessern):

  • regelmäßiges Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen Klasse II
  • häufiges Aktivieren der Wadenmuskelpumpe (z.B. durch Laufen)
  • langes Stehen und Sitzen vermeiden
  • Spaziergänge bzw. Nordic Walking mit flachen Schuhen
  • Tragen von flachen Schuhen und nicht- einschnürender Kleidung
  • Kühle Fußbäder (im Alter nicht warm und kalt im Wechsel)
  • Wassertreten, Gymnastik im Sitzen, Stehen oder Liegen
  • Anheben der Fußspitzen und Fersen im Wechsel und Kreisen der Zehen
  • Tuch mit Zehen greifen
  • Im Liegen die Beckenmuskulatur anspannen und anheben oder Zehen kopfwärts ziehen – dann kräftig strecken
  • Gymnastik mit „Venenkissen“ im Sitzen oder Liegen
  • Ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit
  • Reduktion von etwaigem Übergewicht.> also bewegen, bewegen, bewegen.
  • Häufiges Hochlagern der Beine, zwischenzeitlich sogar über Herzniveau hochlagern
  • Beine nicht übereinanderlegen
  • Vermeiden von Temperaturen von über 28°C (Wärmflasche, heißes Bad) und direkter Sonneneinstrahlung und Sonnenbädern
  • Heben von schweren Gegenständen vermeiden

 

3S – 3L-Regel beachten: Sitzen und stehen ist schlecht – lieber laufen und liegen!!!

Was sind die Symptome eines Ulcus cruris arteriosum?

Am Anfang haben Betroffene keinerlei Beschwerden, lediglich kalte, blasse und bläulich verfärbte Füße und Beine können erste Hinweise für eine schlechte Durchblutung sein. Im Verlauf folgen Symptome, die sich in vier Stadien (der pAVK) einteilen lassen, die in der Entstehung des Ulcus cruris enden:

Stadium 1 – Beschwerde-Freiheit, gelegentlich Schmerzen beim Gehen
Stadium 2 – Schmerzen unter Belastung, ab einer Gehstrecke von 200 m
Stadium 3 – Ruheschmerz, besonders nachts
Stadium 4 – Dauerschmerz, schlecht heilende Wunden, absterbendes Gewebe

Was sind die Ursachen für Ulcus cruris arteriosum?

Über die Arterien wird Sauerstoff reiches Blut zu unseren Beinen transportiert. Kann dies aufgrund einer Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) nicht mehr im ausreichenden Maße stattfinden, kann ein Ulcus cruris arteriosum entstehen. Die Arteriosklerose verengt die Gefäße zunehmend. Diese Durchblutungsstörung ist sehr schmerzhaft und führt dazu, dass Betroffene zu Geh-Pausen gezwungen werden. Man spricht von der sogenannten Schaufensterkrankheit, die in der Fachsprache arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) heißt.

offenes Bein

Wie wird Ulcus cruris arteriosum diagnostiziert?

Im Rahmen eines Arztgesprächs werden die vorliegenden Risikofaktoren und Vorerkrankungen erfasst. Es werden die Fußpulse ertastet, der Umfang der Unterschenkel und ggf. die Ödem Bildung gemessen. Eine Kontrolle der Sauerstoffsättigung im Blut sowie der Blutzuckerwerte können weitere diagnosebildende Maßnahmen sein.

Weitergehende diagnostische Maßnahmen sind:

  • Darstellung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der Magnetresonanzangiographie
  • Darstellung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der Computertomographieangiographie
  • Untersuchung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) mit der digitalen Subtraktionsangiographie

Wie wird Ulcus cruris arteriosum behandelt?

  • Behandlung der Grunderkrankungen z.B.: hoher Blutdruck oder Diabetes mellitus
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutungssituation z.B.: Gabe von Medikamenten zur Blutverdünnung oder durch Gefäßverschlusseröffnung
  • Gefäßerweiterung mittels Ballon oder Stent
  • lokale Wundversorgung

Achtung:

Keine Kompressionsstrümpfe oder -verbände bei ausschließlich arteriell bedingtem Ulcus cruris.

Wie kann man einem Ulcus cruris arteriosum vorbeugen?

Bekämpfen Sie die Ursachen und sorgen Sie dafür, dass Sie gesunde Blutgefäße haben.

Gesunde-Gefäße-Formel

STARKE VENEN
Fügen Sie alle Faktoren hinzu, die Ihre Venen unterstützen:
+ Bewegung
+ Kompressionsstrümpfe/-verbände
+ Normalgewicht
+ das Tragen von flachen Schuhen

FREIE ARTERIEN
Ziehen Sie alle Faktoren ab, die Ihre Arterien verengen (verfetten, verkalken):
– Rauchen
– ungesunde, fette Ernährung
– hoher Blutdruck
– hohe Blutzuckerwerte

=
Das ergibt eine gute Durchblutung.

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Illustrationen © pm pflegemarkt.com GmbH

Fragen und Antworten

Wie entsteht ein Ulcus cruris?
Ursache ist in der Regel einen Venenschwäche, die zu einem Rückstau des Blutes und die Venen führt und diese erweitert. Krampfadern, Venenentzündungen oder Thrombosen können die Folge sein. Der Blutrückstau erhöht den Druck in den Blutgefäßen. Es kommt zu Wasseransammlungen im Gewebe mit gleichzeitiger Minderversorgung mit Blut und Nährstoffen. Das Gewebe geht unter und die Haut bricht auf zu einem Ulcus cruris venosum.
Ist ein Ulcus cruris heilbar?
Ja, ein Ulcus cruris ist heilbar, jedoch sollte eine konsequente Therapie begleitet von Experten durchgeführt werden.
Wie wird Ulcus cruris behandelt?
Beim Ulcus cruris venosum muss primär muss die auslösende Venenschwäche behandelt werden: Kompressionstherapie (-Strümpfe oder -Verbände),ggf. operative Maßnahmen (z.B. Venenentfernung), Hochlagerung der Beine, sowie die lokale Wundtherapie.  
Was hilft gegen Schmerzen bei offenen Beinen?
Entlastung der Beine durch Hochlegen kann helfen bei leichten Schmerzen. Starke Schmerzen können in Absprache mit Ihrem Arzt medikamentös mit Schmerzmitteln behandelt werden.
Was tun, wenn offenes Bein nicht heilt?
Ein offenes Bein/ Ulcus cruris zählt zu den chronischen Wunden und es kann sehr lange dauern, bis die Wunde verheilt ist. Chronische Wunden sollten von Experten behandelt werden, daher empfielt es sich ein Wundzentrum aufzusuchen.