Ein Dekubitus ist eine sehr ernstzunehmende Komplikation, die bei zu pflegenden Personen auftreten kann. Es ist eine schmerzhafte, schwer heilende Wunde, die die Lebensqualität Betroffener stark einschränkt. Im folgenden wollen wir daher über die Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Dekubiti aufklären.

1. Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus, auch bekannt als Druckgeschwür, bezeichnet eine lokale Schädigung der Haut und des darunter liegenden Gewebes infolge einer längeren Druckbelastung oder Reibung. Erst einmal entstanden, erfordert der Heilungsprozess Wochen oder sogar Monate. Die Geschwüre heilen meist nur schwer ab und es können Dauerschäden zurückbleiben, daher ist die Prophylaxe und eine frühzeitige Behandlung besonders wichtig.

Wie entsteht ein Dekubitus?


Er entsteht durch länger anhaltenden Druck auf die Haut, welcher das Gewebe und die Blutgefäße komprimiert (zusammendrückt). Es kommt zu einer Mangeldurchblutung und damit zu einer Nährstoffunterversorgung der Haut.
Unbehandelt sind das Absterben des Hautgewebes und die Entstehung eines Druckgeschwürs die Folgen. Auch Scherkräfte und/ oder Reibung, wie sie etwa beim
Hochziehen einer Person im Bett entstehen, können Hautdefekte hervorrufen. In Verbindung mit fortgesetztem Druck wird so die Entstehung eines Dekubitus begünstigt.

Wo entsteht ein Dekubitus?

Besonders anfällig für die Entwicklung eines Dekubitus sind Haut und Gewebe, die einer beidseitigen Druckbelastung ausgesetzt sind. Also dort, wo Knochen stärker als an anderen Körperstellen nach außen ragen. Dies ist beim Sitzen oder Liegen gegeben: das Körpergewicht drückt uns in die Sitz- oder Liegefläche, wodurch von außen her Druck auf die Haut einwirkt. Zugleich presst von innen der Knochen auf denselben Hautbereich.

Beim Liegen und Sitzen sind das zum Beispiel:

in Rückenposition

Dekubitus gefährdete Stellen in Rückenlage
  • die Sitzbeine und das Kreuzbein am Gesäß,
  • die Hüfte,
  • der Rücken und die Schulterblätter,
  • der Hinterkopf,
  • die Ellenbogen sowie
  • die Fersen und Fußknöchel

 

in 90° -Seitenposition

Dekubitus gefährdete Stellen in Seitenlage
  • die Hüfte und die Sitzbeine,
  • die Schulterblätter,
  • die Fußknöchel und
  • die Ohren.

 

in Bauchposition

Dekubitus gefährdete Stellen in Bauchlage
  • die Hüfte und der Beckengürtel,
  • die Schulterknochen,
  • die Rippen,
  • die Knie und Zehen

Im Rollstuhl

Dekubitus gefährdete Stellen im Rollstuhl
  • Der Hinterkopf
  • die Schulterblätter
  • Das Kreuzbein am Gesäß
  • Die Kniekehlen
  • die Fersen und Zehen

 

Im Sitzen (Bett)

Dekubitus gefährdete Stellen im Sitzen
  • Der Hinterkopf
  • Rücken und die Schulterblätter
  • Das Kreuzbein am Gesäß
  • Die Kniekehlen
  • Die Fersen und Zehen

Gesunde Menschen verändern regelmäßig ganz unbewusst ihre Position im Stehen, Liegen oder Sitzen, um den Druck der betroffenen Körperstelle zu entlasten. Bettlägerige und geschwächte Menschen die oft lange liegen oder viel Zeit sitzend im Rollstuhl verbringen, können diesen Positionswechsel nicht mehr eigenständig ausführen.

2. Was sind Symptome eines Dekubitus?

Ein erstes Anzeichen eines bildenden Dekubitus kann eine dauerhafte Rötung an der Hautstelle sein, die auch dann bestehen bleibt, wenn kein Druck mehr ausgeübt wird. Im Verlauf bilden sich Blasen. Schließlich entsteht eine Wunde, die sich nach und nach vertieft und ausweitet.

Sie sollten schon bei den ersten Anzeichen eines Dekubitus die Pflegekraft informieren und um die Einleitung von Maßnahmen bitten. Mit dem Fingertest haben Sie die Möglichkeit festzustellen, ob es sich um einen Dekubitus Grad 1 handelt oder nicht.

Der Fingertrest zur ersten Selbsteinschätzung:

  • Drücken Sie vorsichtig und kurz mit dem Finger auf den geröteten Hautbereich.
  • Lassen Sie wieder los
  • Wenn sich der Hautbereich weißlich einfärbt und nach wenigen Sekunden wieder eine rötliche Farbe annimmt, liegt kein Dekubitus vor.
Fingerdruck-Test zur Feststllung eines Dekubitus

3. Was ist die Ursache für Dekubitus?

Die Hauptursache für die Entstehung eines Dekubitus ist eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit eines Patienten. Diese kommt meist bei Bettlägerigen im Alten -und Pflegeheimen vor, die ihre Körperposition nicht aus eigener Kraft ändern können und nicht oft genug umgelagert werden.

So entsteht ein Dekubitus durch langanhaltende Druckbelastung auf der Haut, die das Gewebe und die Blutgefäße zusammendrückt. Es kommt dadurch zu einer unterbrochenen Durchblutung. Haut und Gewebezellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, das Hautgewebe der betroffenen Region stirbt ab und letztendlich entsteht ein Druckgeschwür.

4. Wie wird Dekubitus diagnostiziert?

Ein Dekubitus wird zuerst einmal in vier Stadien eingeteilt und ist mit bloßem Auge sichtbar:

Dekubitus Grad 1 – In der Anfangsphase ist das Gewebe gerötet und bleibt auch bestehen, wenn der Druck nachlässt. Der Bereich unterscheidet sich in der Dicke und Temperatur zur umgebenden Haut. Die Haut befindet sich jedoch noch im intakten Zustand.

Dekubitus Grad 2 – Beim Dekubitus Grad 2 haben sich Blasen auf der Haut gebildet. Die oberste Hautschicht löst sich ab und es entsteht eine oberflächliche Schädigung der Haut.

Dekubitus Grad 3 -Beim Dekubitus Grad 3 sind Haut und Gewebe stark geschädigt. Ein tiefes offenes Geschwür ist sichtbar.

Dekubitus Grad 4 – Das Gewebe ist vollständig zerstört. Man blickt auf Muskeln, Knochen und Gelenke oder Sehnen.

5. Wie wird ein Dekubitus behandelt?

Besonders wichtig: Die betroffenen Körperstellen sollten möglichst keinem Druck mehr ausgesetzt werden! Druckentlastung wird durch Positionswechsel erreicht. Falls möglich, sollte die Position im Bett alle zwei Stunden geändert. Bei der Mikropositionierung sogar alle 30 Minuten. Ist das selbstständige Bewegen nicht möglich, sollte die Pflegekraft die Position immer wieder wechseln. Die Positionierungen helfen das Gewebe zu entlasten und für eine ausreichende Blutzirkulation zu sorgen.

Je nach Grad des Dekubitus ist ebenso die Wundversorgung mit entsprechenden Wundauflagen wichtig.

6. Wie kann man Dekubitus vorbeugen?

Bei Beachtung der folgenden Maßnahmen können Sie entscheidend zu einer Verhinderung eines Dekubitus beitragen.

Beobachtung:

Beobachten Sie gefährdete Hautareale auf mögliche erste Anzeichen, etwa eine dauerhafte Hautrötung.

Förderung der Beweglichkeit:

Zu langes Sitzen oder Liegen ist die Ursache Nummer eins für einen Dekubitus.

  • Mobile Personen sollten sich so oft es geht bewegen.
  • Bei bettlägerigen Personen sollte die Beweglichkeit durch Bewegungsübungen, ggf. auch durch eine professionelle Physiotherapie gefördert werden.

Druckentlastung der gefährdeten Körperstellen:

Druckentlastung wir sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung eines Dekubitus engewendet.

Folgend stellen wir Ihnen verschiedene Positionierungen zur Druckentlastung vor. Eine falsche Durchführung birgt allerdings Gefahrenpotenziale, weshalb eineprofessionelle Anleitung durch etwa Pflegekräfte empfohlen wird.

  • 30°-Schräg-Positionierung
Dekubitusprophylaxe Positionierung auf dem Rücken
  • 135°-Positionierung
Dekubitusprophylaxe Positionierung auf dem Bauch

Micro-Positionierung

Dekubitusprophylaxe Positionierung Microlagerung

Fersen – Freipositionierung

Fersenfreitagerung zur Dekubitusprophalaxe

Wechseldruckmatratzen

Wechseldruckmatratzen sollen helfen Druckgeschwüre zu verhindern.
Die speziellen Matratzen sorgen dafür, dass der Patient nicht zu lange auf derselben Stelle liegt und sehr nachgiebig gelagert wird.

7. Welche Tipps gibt es im Umgang mit Dekubitus?

Für eine gute und gleichmäßige Druckverteilung kann man spezielle  Lagerungshilfsmittel im z.B. Sanitätshaus erwerben bzw. können sie von einem Arzt oder Pflegekraft verschieben werden. Sollten keine Lagerungshilfsmittel vorhanden sein, eignen sich besonders gut Handtücher, Bettdecken und Kissen.

Folgend zeigen wir Ihnen geeignete Falttechniken auf.

DREIFACHFALTUNG – z.B. zur Positionierung des Schulterblattes.

  • Mikropositionierung
Falttechniken von Handtüchern zur Dekubitusprophalaxe

ROLLE – z.B. zur Positionierung der Kniekehle

Falttechnik Rolle zur Dekubitusprophalaxe

BREZEL-FALTUNG – z.B. zur Fersen-Freipositionierung

Bettklima

Feuchtigkeit und Wärme fördern, dass die Haut aufweicht.
Dies kann zu einer Entstehung eines Dekubitus führen.

Dekubitusprophylaxe Bettklima

Vermeiden Sie

  • ein nassgeschwitztes Bett, sowie nassgeschwitzte Nacht- und Bettwäsche.
  • unnötige Inkontinenzartikel (Gummilaken z.B. stauen Wärme aber auch Feuchtigkeit)

Achten Sie auf:

  • atmungsaktive Bett- und Nachtwäsche aus
    Naturfasern, wie z.B. Baumwolle, Seide oder
    Schurwolle

ACHTUNG BEI WECHSELDRUCK-MATRATZEN:

Diese dürfen nicht mit Lagerungskissen und Decken überlagert werden. Nutzen Sie nur ein dünnes Laken (wobei die Enden nicht unter der Matratze eingeschlagen werden) und lassen Sie sich von Pflegefachkräften in den richtigen Positionierungstechniken anleiten.

Auf keinen Fall die Einstellungen der Matratze selbstständig verändern

Bildquellen:

Beitragsbild © Sandor Kacso – stock.adobe.com

Quellen:

Dekubitus Flyer von pm-pflegemarkt.com

https://www.dekubitus.de/ratgeber/dekubitusstadien

https://www.gesundheit.de/medizin/alter-und-pflege/medizin-im-alter/dekubitus-ursachen-diagnose-behandlung

https://www.onmeda.de/krankheiten/dekubitus.html

https://www.pflege.de/leben-im-alter/krankheiten/dekubitus/

https://flexikon.doccheck.com/de/Dekubitus

https://www.tk.de/techniker/service/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/haut-und-geschlechtskrankheiten/was-ist-ein-dekubitus-2017552